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Rechenbeispiel

UX-ROI im E-Commerce: ein Rechenbeispiel mit Nullwirkung

Lohnt sich Geld für Research und bessere Produktseiten mehr als zusätzliches SEA-Budget? Pauschale Antworten helfen nicht weiter. Dieses Beispiel rechnet beide Wege offen durch, einschließlich der Fälle, in denen die Verbesserung kaum oder gar nicht wirkt.

Stand: Redaktion: uxspire Redaktion Fachlich geprüft: Dominik Homberger

Rechenbeispiel, keine Prognose

Alle Werte sind frei gewählte Annahmen. Sie sind weder Messwerte von uxspire noch Branchenwerte. Ersetze sie durch die Zahlen deines Shops; die Formeln stehen am Ende.

Was verglichen wird

Verglichen wird der zusätzliche Deckungsbeitrag gegenüber einem unveränderten Ausgangszustand. Der Deckungsbeitrag je zusätzlicher Bestellung enthält bereits die variablen Kosten für Ware, Zahlung, Versand und Retouren. Werbe- und Research-Kosten ziehen wir anschließend getrennt ab. Umsatz ist nicht gleich Gewinn: Ein Mehrumsatz, der Retouren und Rabatte mitbringt, kann sich rechnerisch nicht lohnen.

Die Annahmen

Annahmen des Rechenbeispiels
AnnahmeModellwert
Betrachteter Traffic pro Monat10.000 Besuche
Ausgangs-Conversion-Rate2,0 %
Bestellungen pro Monat200
Deckungsbeitrag je zusätzlicher Bestellung vor Marketingkosten40 €
Zusätzliches SEA-Budget1.000 € pro Monat
Kosten je Klick des zusätzlich eingekauften Traffics0,50 €
Research, Umsetzung und Software im Vergleichszeitraum3.000 € insgesamt
Angenommene Wirkung der Verbesserung2,0 % → 2,3 % (+0,3 Prozentpunkte)
Vergleichszeitraum6 wirksame Monate

Der bestehende Traffic kann aus mehreren Kanälen stammen. Seine Kosten fallen ohnehin an und ändern sich im Modell nicht.

Weg A: mehr SEA-Budget

1.000 € ÷ 0,50 € = 2.000 zusätzliche Besuche pro Monat

2.000 × 2,0 % = 40 zusätzliche Bestellungen → 40 × 40 € = 1.600 € Deckungsbeitrag

1.600 € − 1.000 € Werbekosten = 600 € pro Monat → 3.600 € in sechs Monaten

Die Rechnung setzt voraus, dass der zusätzlich eingekaufte Traffic genauso gut bestellt wie der bestehende. In der Praxis sind zusätzliche Klicks oft teurer oder weniger passend; dann sinkt das Ergebnis.

Weg B: Research und umgesetzte Verbesserung

10.000 × (2,3 % − 2,0 %) = 30 zusätzliche Bestellungen pro Monat

30 × 40 € = 1.200 € pro Monat → 7.200 € in sechs Monaten

7.200 € − 3.000 € Kosten = 4.200 €

Dieser Vorteil entsteht nur, wenn die angenommene Wirkung tatsächlich eintritt und anhält. Research allein ändert keine Conversion-Rate. Erst die Umsetzung im Shop kann wirken, und sie kann auch ausbleiben.

Wenn die Wirkung kleiner ausfällt

Ergebnis bei unterschiedlicher Wirkung
Tatsächlich erreichte VerbesserungZusätzlicher Deckungsbeitrag pro MonatErgebnis nach sechs Monaten und 3.000 € Kosten
0,0 Prozentpunkte0 €−3.000 €
+0,1 Prozentpunkte400 €−600 €
+0,3 Prozentpunkte1.200 €+4.200 €
+0,5 Prozentpunkte2.000 €+9.000 €

Der rechnerische Break-even liegt bei +0,125 Prozentpunkten über sechs wirksame Monate:

3.000 € ÷ (6 × 10.000 × 40 €) = 0,00125 = 0,125 Prozentpunkte

Soll Weg B im Modell mehr bringen als Weg A, muss die Verbesserung die 3.600 € aus SEA zusätzlich einspielen:

(3.600 € + 3.000 €) ÷ (6 × 10.000 × 40 €) = 0,275 Prozentpunkte

Was die Rechnung zeigt

  • Beide Wege müssen geprüft werden. Bei einer Verbesserung um 0,3 Prozentpunkte liegt Weg B vorn, bei 0,1 Prozentpunkten Weg A. Welcher Fall eintritt, weiß vorher niemand.
  • Ohne Umsetzung keine Wirkung. Eine Studie, deren Ergebnis nicht umgesetzt wird, kostet nur. Plane Umsetzung und Messung deshalb von Anfang an mit.
  • SEA wirkt sofort, aber nur solange du zahlst. Eine Verbesserung im Shop kann über den Zeitraum hinaus wirken, der Effekt kann aber auch nachlassen.
  • Nicht doppelt zählen. Wer beides tut, bekommt durch die bessere Produktseite auch mehr Bestellungen aus dem SEA-Traffic. Jede zusätzliche Bestellung darf aber nur einer Maßnahme zugerechnet werden.

Was nicht im Modell steckt

  • Saisonale Schwankungen und Kampagnen im Vergleichszeitraum
  • Veränderte Retourenquoten, etwa wenn bessere Maßangaben weniger Rücksendungen verursachen
  • Wiederkäufe und der Wert einer Kundenbeziehung über die sechs Monate hinaus
  • Steigende Klickpreise bei höherem Budget und eine geringere Conversion des zusätzlichen Traffics
  • Die Zeit bis zur Umsetzung, in der noch keine Wirkung entsteht
  • Laufende Kosten für Pflege und Aktualisierung der verbesserten Inhalte

Diese Punkte können das Ergebnis in beide Richtungen verschieben. Nimm sie in deine Rechnung auf oder notiere ausdrücklich, dass sie fehlen.

Wie du die Wirkung tatsächlich prüfst

Für einen belastbaren Nachweis vergleichst du geänderte und unveränderte Seiten oder Nutzergruppen über denselben Zeitraum, am besten mit einem aufgeteilten Test in deinem Shopsystem. Hast du nur Vorher-nachher-Daten, kennzeichne sie als solche und dokumentiere, was sich sonst geändert hat: Kampagnen, Sortiment, Preise, Saison. Lege Kennzahl und Dauer vor der Umsetzung fest, nicht danach.

Eigene Zahlen einsetzen

Zusätzliche Bestellungen (Weg B) = Besuche × Verbesserung in Prozentpunkten ÷ 100

Ergebnis (Weg B) = Monate × zusätzliche Bestellungen × Deckungsbeitrag − Kosten

Break-even = Kosten ÷ (Monate × Besuche × Deckungsbeitrag)

Zusätzliche Bestellungen (Weg A) = Budget ÷ Kosten je Klick × Conversion des neuen Traffics

Ergebnis (Weg A) = Monate × (zusätzliche Bestellungen × Deckungsbeitrag − Budget)

Setze für die Conversion des neuen SEA-Traffics einen eigenen Wert ein und rechne auch den Fall ohne Wirkung durch.