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Leitfaden

Zielgruppen­analyse im Onlinehandel: von der Frage zur Entscheidung

Eine Zielgruppenanalyse zeigt, welche Kundengruppen dein Shop hat, was sie unterscheidet und was ihnen vor dem Kauf fehlt. Sie lohnt sich vor allem dann, wenn eine konkrete Entscheidung ansteht. Dieser Leitfaden führt mit einem Arbeitsbogen von der Fragestellung bis zur Umsetzung.

Stand: Redaktion: uxspire Redaktion Fachlich geprüft: Dominik Homberger

Was eine Zielgruppenanalyse leisten soll

Eine Zielgruppenanalyse beschreibt Gruppen von Kund:innen oder Interessent:innen anhand dessen, was sie brauchen, erwarten und abwägen. Im Onlinehandel ist sie dann nützlich, wenn sie eine Entscheidung vorbereitet: welche Information auf die Produktseite gehört, welches Serviceversprechen sich lohnt, welche Botschaft eine Kampagne tragen soll.

Das unterscheidet sie von einer allgemeinen Kundenbeschreibung. „Unsere Kund:innen sind zwischen 30 und 50 und legen Wert auf Qualität“ hilft keinem Team bei der nächsten Entscheidung. „Ein Teil der Befragten bricht ab, weil unklar ist, ob die Jacke über einen dicken Pullover passt“ dagegen schon.

Das Beispiel in diesem Leitfaden

Ein fiktiver Onlineshop für Outdoor-Bekleidung überlegt, ob er im nächsten Halbjahr eine persönliche Größenberatung einführt oder die Rücksendung vereinfacht. Beides kostet Geld; beides soll Kaufunsicherheit abbauen. Das Team weiß aus den Retouren, dass viele Jacken zurückkommen, aber nicht, welche Kund:innen was brauchen.

Zielgruppe, Segment und Persona

Die drei Begriffe werden oft gleich verwendet. Für die Analyse lohnt es sich, sie zu trennen, weil sie unterschiedlich entstehen und unterschiedlich belastbar sind.

Zielgruppe, Segment und Persona im Vergleich
BegriffWas es istWie es entstehtBeispiel Outdoor-Shop
ZielgruppeDie Menschen, die du ansprechen willstFestlegung durch dein TeamMenschen, die Bekleidung für Wanderungen und Reisen suchen
SegmentEine Teilgruppe mit messbar ähnlichen AntwortenAus Daten, mit Größe und Anteil an den BefragtenBefragte, denen Passform und Größenberatung deutlich wichtiger sind als allen anderen
PersonaEin lesbares Profil eines Segments für das TeamAus einem Segment formuliert; nur so belastbar wie die Daten dahinterSetcard „Unsicher bei der Passform“ mit den Merkmalen, die häufiger oder seltener vorkommen

Personas, die in Workshops ohne Daten entstehen, können Annahmen sichtbar machen. Sie sind aber keine Analyse. Wie aus Segmenten belastbare Profile werden, zeigt der Beitrag Buyer Persona erstellen.

Wann sich eine Analyse lohnt und wann nicht

Eine Zielgruppenanalyse lohnt sich, wenn diese vier Punkte zutreffen:

  • Es steht eine Entscheidung an, die sich nach der Analyse noch ändern kann.
  • Das Team vermutet, dass verschiedene Kund:innen Verschiedenes brauchen, weiß aber nicht, wer was.
  • Du erreichst genug Menschen aus der Zielgruppe, etwa über Shop-Besuche, Newsletter oder Bestellbestätigungen.
  • Jemand ist verantwortlich, die Erkenntnisse umzusetzen und die Wirkung zu prüfen.

Weniger sinnvoll ist sie, wenn die Entscheidung schon feststeht, wenn sich eine Änderung mit wenig Aufwand direkt im Shop testen lässt oder wenn eine einzige, klar umrissene Frage offen ist. Dann reicht oft eine kurze Umfrage an der passenden Stelle.

Arbeitsbogen: Welche Kundengruppen solltest du untersuchen?

Beantworte diese Fragen, bevor du einen Fragebogen schreibst. Sie bestimmen, wen du befragst, was du fragst und wann das Ergebnis brauchbar ist. Die rechte Spalte zeigt die Antworten des Beispielshops.

Arbeitsbogen zur Zielgruppenanalyse
FrageWarum sie zähltBeispiel Outdoor-Shop
1. Welche Entscheidung steht an, und bis wann?Legt fest, welche Antworten du wirklich brauchstGrößenberatung oder einfachere Rücksendung, Entscheidung in acht Wochen
2. Welche Annahmen stecken in der Entscheidung?Daraus werden die Fragen„Viele Retouren entstehen durch Unsicherheit bei der Passform“; „Kund:innen bestellen mehrere Größen, weil die Rücksendung einfach ist“
3. Wen betrifft die Entscheidung?Bestimmt, wer in die Stichprobe gehörtErstkäufer:innen und Wiederkäufer:innen von Jacken und Hosen; auch Besucher:innen, die noch nicht bestellt haben
4. Wen kannst du erreichen, und wie?Ohne erreichbare Teilnehmende keine StudieBefragung auf Produktseiten der Kategorie Jacken, Link in der Versandbestätigung, Newsletter
5. Was weißt du schon?Vermeidet Fragen, die Shopdaten besser beantwortenRetourenquote und -gründe je Kategorie, häufige Fragen an den Kundenservice
6. Wie viele Antworten sind realistisch?Bestimmt Feldzeit und MachbarkeitAbschätzen aus Besuchen der Jackenseiten und Öffnungsraten der Versandbestätigung; mindestens 100 abgeschlossene Antworten für die Segmentierung
7. Wer setzt um, und woran misst ihr den Erfolg?Ohne Umsetzung keine WirkungE-Commerce-Leitung entscheidet, Kundenservice und Logistik setzen um; Retourenquote und Bestellrate der Jacken

Kannst du Frage 1 oder 4 nicht beantworten, ist es zu früh für eine Studie. Bei Frage 5 zeigt sich oft, dass ein Teil der Annahmen schon mit vorhandenen Daten geprüft werden kann.

Welche Daten welche Antwort liefern

Eine Befragung ist eine von mehreren Quellen. Sie ergänzt, was Shopdaten nicht zeigen können, ersetzt sie aber nicht.

Datenquellen im Vergleich
QuelleZeigtZeigt nicht
Shop- und WebanalyseWas Besucher:innen tun: Wege, Abbrüche, BestellungenWarum sie es tun und was sie erwartet hätten
Kundenservice und BewertungenKonkrete Probleme in eigenen WortenWie verbreitet ein Problem ist; wer sich nicht meldet, fehlt
Befragung mit SegmentierungUnterschiedliche Bedürfnisse und Abwägungen, mit Größe der Gruppen unter den BefragtenTatsächliches Verhalten; Ursachen von Wirkungen
InterviewsTiefe Einblicke in Entscheidungswege und BegriffeWie häufig ein Muster vorkommt

Für die Wahl der Methode bei anderen Fragestellungen hilft der Beitrag UX Research im E-Commerce.

Der Ablauf in fünf Schritten

  1. Frage festlegen. Aus dem Arbeitsbogen wird eine Forschungsfrage. Im Beispiel: „Welche Kundengruppen brauchen vor dem Kauf einer Jacke welche Unterstützung bei Größe und Rücksendung?“
  2. Fragebogen bauen. Pro Annahme ein bis zwei Fragen, dazu wenige Fragen zur Einordnung. Die Fragebogen-Vorlage zeigt Aufbau, Formate und Reihenfolge.
  3. Antworten sammeln. Über die in Frage 4 genannten Wege, mit dokumentierter Feldzeit und Kanälen. Der Leitfaden Kundenbefragung im Onlineshop enthält einen Feldplan.
  4. Segmente prüfen. Lösungen vergleichen, eine geeignete bestätigen und die Setcards lesen. Wie uxspire dabei vorgeht, beschreibt die Methodik.
  5. Entscheiden und messen. Aus den Befunden Hypothesen ableiten, eine Reihenfolge festlegen und vorab bestimmen, woran der Erfolg gemessen wird.

Vom Segment zur Maßnahme

Angenommen, die Studie des Outdoor-Shops ergibt ein Segment, dem Passform und Größenberatung deutlich wichtiger sind, und ein zweites, das vor allem auf einfache Rücksendung achtet. Dann folgen daraus keine fertigen Antworten, aber prüfbare Hypothesen:

  • Produktseite: Maßtabellen je Modell mit Hinweis, wie die Jacke über einer weiteren Schicht sitzt, für das erste Segment.
  • Service: Rücksendebedingungen schon auf der Produktseite zeigen statt erst im Checkout, für das zweite Segment.
  • Kommunikation: In Kampagnen für Einsteiger:innen die Passform betonen statt Rabatte.

Welche Maßnahme zuerst kommt, hängt von Segmentgröße, Aufwand und dem erwarteten Beitrag ab. Wie man diese Abwägung offen rechnet, zeigt das Rechenbeispiel zum UX-ROI.

Häufige Fehler

  • Nur nach Demografie segmentieren. Alter und Wohnort erklären selten, warum jemand kauft oder abbricht.
  • Nur Käufer:innen befragen. Wer nicht bestellt hat, fehlt dann, obwohl gerade diese Gruppe interessant ist.
  • Suggestive Fragen. „Wie wichtig ist Ihnen unser schneller Versand?“ lenkt die Antwort. Besser: mehrere Leistungen einzeln bewerten lassen.
  • Segmentanteile als Marktgröße lesen. Ein Anteil beschreibt die Befragten, nicht alle Kund:innen.
  • Ohne Messplan umsetzen. Dann bleibt offen, ob die Änderung gewirkt hat.